OpenAI hat das Aus von Sora bekanntgegeben. Die Erzeugung von KI-Videos gehört damit bei OpenAI der Vergangenheit an. Der Schwerpunkt soll künftig auf Anwendungen wie Coding liegen, mit denen das Unternehmen mehr Geld verdienen kann.
Steckt OpenAI in einer handfesten Krise? Zumindest kann man sagen, dass derzeit ein strategischer Schwenk vollzogen wird, der die Produkte stärker in Richtung Monetarisierung lenken soll.
Ein Zeichen dafür ist das Aus der Video-App "Sora", die sich hoher Popularität erfreute und es ermöglichte, realistische Videos in hoher Qualität zu erzeugen.
OpenAI verkündete das Aus von Sora per X und schrieb, man sei sich bewusst, dass diese Nachricht enttäusche. Man werde bald weitere Details zur zeitlichen Planung veröffentlichen und wie man die bisher erstellten Arbeiten sichern kann.
In einer Chatnachricht innerhalb von Sora wurden weitere Informationen geteilt. Man prüfe gerade Möglichkeiten zum Exportieren und Sichern der Werke:
Betroffen ist auch ein Deal, den OpenAI erst im vergangenen Dezember mit Disney geschlossen hatte. Dort äußerte man laut einem Bericht von CNN Verständnis dafür, dass OpenAI seine Prioritäten neu sortiere. Man werde weiterhin die Zusammenarbeit mit KI-Plattformen suchen, um Anhänger und Fans zu begegnen, ohne dabei das geistige Eigentum und die Rechte der Urheber zu verletzen.
Neuer Fokus auf Coding und eine einheitliche App
Der Kurswechsel bei OpenAI hat handfeste Gründe. Das Unternehmen hat in der Vergangenheit Milliarden in den Ausbau seiner Produkte und der Infrastruktur gesteckt und dabei natürlich auch hohe Erwartungen der Investoren gesteckt. Das Unternehmen musste allerdings in den letzten Monaten miterleben, wie die Konkurrenz, beispielsweise Anthropic mit Claude Code, einen Erfolg nach dem anderen verbuchte. Insbesondere im Bereich Coding zählt Claude zu den Top-Produkten auf dem Markt. Und das ist auch das Segment, in dem sich Geld verdienen lässt. Zudem erfordert die Produktion von KI-Videos eine enorme Rechenleistung. Die Kapazitäten in den Rechenzentren sind ein kritischer Engpass für die großen KI-Anbieter. Daher müssen sie darauf achten, dass diese Kapazitäten möglichst effizient, das heißt gewinnbringend, genutzt werden.
Zur aktuellen Entwicklung passt, dass sich OpenAI auch von seinem Shopping-Feature "Instant Checkout" verabschiedet. Es findet also eine Abkehr von Consumer-Produkten in Richtung B2B-Einsatz statt. Das passt zu den von Fidji Simo, CEO of Applications bei OpenAI, angekündigter Neuorientierung auf Anwendungsfälle mit hoher Produktivität. Das hatte sie laut einem Bericht des Wall Street Journal in einem All-Hands-Meeting vergangene Woche angekündigt.
In Kombination damit will OpenAI auch seinen Browser "Atlas", die ChatGPT App und die Coding App "Codex" in eine einzige Desktop-App integrieren.
Bewertung
Die Erwartungen an OpenAI und damit auch der Druck auf die Verantwortlichen sind hoch. Die Investoren möchten zumindest eine Perspektive sehen, dass die vielen Milliarden, die sie in das Unternehmen gesteckt haben, auf absehbare Zeit zu einer Rendite führen.
Wettbewerber wie Anthropic haben gezeigt, dass auch mit weniger Einsatz viel erreicht werden kann, wenn die Schwerpunkte richtig gesetzt werden.
Die Produktion von Consumer-Videos gehört sicherlich nicht zu den Einsatzgebieten, mit denen so etwas möglich ist – zumal Konkurrenten wie Google mit VEO bereits ähnlich gute Produkte anbieten, die in ihre Apps integriert sind.
Allerdings hat OpenAI ein weiteres Problem: das Image. Dieses hat zuletzt durch den Deal mit der US-Regierung deutlich gelitten. Anthropic hatte das Geschäft zuvor abgelehnt, weil es nicht akzeptieren wollte, dass die eigenen Produkte für Massenüberwachung und autonome Waffensysteme genutzt werden. OpenAI hatte danach den Deal mit der US-Regierung geschlossen. In der Folge hatte OpenAI viele Nutzer verloren, während OpenAI einen Boom an Neukunden verzeichnen konnte.
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