Auf der diesjährigen Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas gab es einen eindeutigen Trend: Die KI erobert die physische Welt und unseren Alltag.
Der Paradigmenwechsel zur physischen KI
Die CES 2026 markierte einen grundlegenden Wandel in der Technologiebranche. Während in den vergangenen Jahren generative KI vor allem für die Erstellung von Texten und Bildern bekannt war, stand in diesem Jahr die physische KI im Fokus. Das sind Systeme, welche die physikalischen Gesetze der realen Welt verstehen und aktiv in ihr handeln.
Nvidia-CEO Jensen Huang erklärte, dass für die Entwicklung von KI-Robotern drei Ebenen von Computern notwendig seien: Ein Computer trainiert die KI-Modelle, ein zweiter läuft im Roboter selbst für die Ausführung (Inference) und ein dritter dient der Simulation. In dieser virtuellen Umgebung, etwa dem „Omniverse", einer Plattform von Nvidia zum Erstellen und Simulieren virtueller 3D-Welten, lernen Roboter Bewegungsabläufe und physikalische Interaktionen, bevor die Software auf die echte Maschine übertragen wird. Das beschleunigt den Lernprozess massiv, weil Millionen von Szenarien risikofrei durchgespielt werden können.
Neue Infrastruktur für das KI-Zeitalter
Um diese komplexen Berechnungen zu ermöglichen, stellten die Chiphersteller neue Plattformen vor, welche die Grenzen der Rechenleistung verschieben. Nvidia präsentierte die „Vera Rubin"-Plattform, benannt nach der gleichnamigen Astronomin. Sie hatte die Dunkle Materie entdeckt. Das System besteht aus neuen GPUs und der „Vera"-CPU und ist darauf ausgelegt, die nächste Generation von KI-Modellen zu berechnen, die über reine Sprachverarbeitung hinausgehen.
Die Komponenten werden innerhalb eines völlig neu konzipierten Trays zusammengeführt, das ohne Kabel, Schläuche und Lüfter auskommt.
AMD enthüllte parallel dazu die „Helios"-Plattform. Das ist ein komplettes Server-Rack, das darauf ausgelegt ist, KI-Training im sogenannten Yotta-Scale-Bereich zu ermöglichen. Herzstück ist der MI455-Beschleunigerchip, der über 320 Milliarden Transistoren verfügt und speziell für die riesigen Datenmengen moderner KI-Modelle entwickelt wurde. AMD betonte zudem die Bedeutung offener Softwarestandards, um Entwicklern den Zugang zu dieser Rechenleistung zu erleichtern.
Die Evolution humanoider Roboter
Ein zentrales Thema der Messe war die Industrialisierung humanoider Roboter. Boston Dynamics zeigte die neue, vollelektrische Version des Roboters Atlas. Im Gegensatz zu früheren Modellen, die oft hydraulisch betrieben wurden, ist das neue System leiser, effizienter und für die Massenproduktion konzipiert. Atlas verfügt über Gelenke, die sich um 360 Grad drehen können, was Bewegungen ermöglicht, die für Menschen anatomisch unmöglich wären, aber die Arbeitseffizienz steigern. Der Roboter wird bereits in Pilotprojekten in Hyundai-Fabriken eingesetzt, um autonom Teile zu transportieren.
Auch andere Hersteller präsentierten fortschrittliche Bewegungsmodelle. Unitree zeigte mit dem G1 einen Roboter, der durch die Analyse menschlicher Bewegungen komplexe Abläufe wie Kickboxen oder Tanzen erlernte. Ein wichtiges Detail in diesem Zusammenhang ist die Reaktionsfähigkeit: Die Roboter spulen keine festen Skripte ab, sondern reagieren in Echtzeit auf Störungen, um ihr Gleichgewicht zu halten.
Das Unternehmen Sharper konzentrierte sich auf die Feinmotorik und demonstrierte eine Roboterhand, die ihre Griffkraft dynamisch anpassen kann, um sowohl fragile als auch robuste Objekte zu manipulieren.
Tastsinn und Haut für Maschinen
Ein wesentlicher Schritt hin zu einer sichereren Interaktion zwischen Mensch und Maschine ist die Einführung von künstlichem Tastsinn. Generative Bionics stellte den Roboter Gene.01 vor, der über eine Art künstliche Haut verfügt. Das ermöglicht dem Roboter, Druck und Berührungen am ganzen Körper wahrzunehmen – unverzichtbar für den Einsatz im Gesundheitswesen oder in der Pflege, weil der Roboter spüren muss, wie fest er einen Patienten hält oder ob er versehentlich gegen ein Hindernis stößt.
Daniele Pucci von GBionics
Intelligente Mobilität im Haushalt und Alltag
Die Robotik dringt auch mit neuen Formfaktoren in den privaten Bereich vor. Roborock präsentierte mit dem Saros Rover einen Staubsaugerroboter, der nicht mehr ausschließlich auf Räder angewiesen ist, sondern über gegliederte Beine verfügt. Das Gerät kann Treppen steigen, Hindernisse überwinden und während des Kletterns reinigen.
LG zeigte mit CLOi einen autonomen Haushaltsassistenten auf zwei Rädern. Das Gerät nutzt generative KI, um Gespräche zu führen und Aufgaben im Smart Home zu steuern. LG legte dabei den Fokus auf Zuverlässigkeit und trainierte das Modell intensiv mit Haushaltsdaten, weil Sicherheit im privaten Umfeld Vorrang vor Geschwindigkeit hat.
Für die Küche stellte das Startup Nosh einen Kochroboter vor, der Zutaten selbstständig verarbeitet. Nutzer füllen Zutaten in Behälter, und das Gerät bereitet daraus Gerichte nach Rezeptvorgaben zu.
Räumliche Intelligenz und 3D-Welten
Ein weiterer wichtiger Aspekt der KI-Entwicklung ist die sogenannte „Spatial Intelligence" (räumliche Intelligenz). Fei-Fei Li, eine Pionierin der KI-Forschung, stellte mit ihrem Unternehmen World Labs Modelle vor, die aus flachen 2D-Bildern vollständige, interaktive 3D-Welten generieren können. Das System „Marble" kann anhand weniger Fotos die Struktur, Tiefe und Physik eines Raumes verstehen und ihn digital rekonstruieren. Das ermöglicht es Designern oder Spieleentwicklern, virtuelle Umgebungen in Minuten statt in Monaten zu erstellen.
Autonome Fahrzeuge und Edge-Computing
Im Automobilsektor verschmilzt die KI zunehmend mit der Fahrzeugsteuerung. Nvidia stellte mit Alpamayo eine KI vor, die nicht nur auf Sensordaten reagiert, sondern per Reasoning über das eigene Handeln „nachdenkt". Das System analysiert Verkehrssituationen und erklärt, warum es eine bestimmte Entscheidung trifft.
Mercedes nutzt ähnliche Technologien für das „Drive Assist Pro"-System, das Daten von Radar, Kameras und Ultraschallsensoren fusioniert, um komplexe Stadtfahrten autonom zu bewältigen.
Auch im Weltraum spielt KI eine Rolle. Blue Origin arbeitet mit AMD zusammen, um KI-Hardware auf dem Mond einzusetzen. Weil die Kommunikation zur Erde zu lange dauert, müssen Landefähren und Rover Entscheidungen direkt vor Ort treffen, um Hindernisse zu erkennen oder Landeplätze zu analysieren.
Wearables und interaktives Spielzeug
KI wird zunehmend tragbar – im wahrsten Sinne des Wortes. Razer zeigte mit „Project Motoko" ein Konzept für eine Brille, die das Blickfeld des Nutzers analysiert. Die KI kann Objekte erkennen und kontextbezogene Anleitungen geben, etwa beim Kochen oder bei handwerklichen Reparaturen.
Im Spielzeugbereich integriert Lego den „Smart Brick". Das ist ein Baustein mit Sensoren, der ohne Bildschirm auskommt. Er reagiert auf Bewegungen und interagiert mit anderen Steinen. Wenn eine Figur in ein Fahrzeug gesetzt wird, erkennt der Stein das und löst passende Geräuscheffekte aus, was das physische Spiel mit digitaler Logik verbindet.
KI in der Wissenschaft und Medizin
Auf der CES war auch zu erleben, wie KI die wissenschaftliche Forschung beschleunigt. Unternehmen wie Absci nutzen KI-Modelle, um neue Medikamente zu entwerfen, indem sie biologische Strukturen simulieren („generative Biologie"). Ziel ist es, den langwierigen Prozess der Medikamentenentwicklung durch präzise Vorhersagen abzukürzen.
AstraZeneca demonstrierte, wie generative KI genutzt wird, um Kandidaten für neue Wirkstoffe virtuell zu testen, bevor sie im Labor hergestellt werden.
Das Unternehmen Illumina setzt KI ein, um Genomdaten schneller zu analysieren: ein großer Vorteil für die personalisierte Medizin und die Krebsforschung.
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