Fast 250 Ankündigungen für neue oder erweiterte Rechenzentren weltweit: Unsere Auswertung zeigt das enorme Tempo des globalen RZ-Ausbaus.
Wer die Schlagzeilen der Rechenzentrums-Branche nur gelegentlich verfolgt, bekommt keinen echten Eindruck davon, wie viel gerade gleichzeitig auf der Welt gebaut, geplant und eröffnet wird. Eine Auswertung der Meldungen aus den vergangenen 30 Tagen macht das Ausmaß greifbar: Zwischen dem 23. Juni und dem 22. Juli 2026 wurden weltweit 247 neue Rechenzentrum-Projekte gemeldet: Eröffnungen, Baugenehmigungen, Ankündigungen und Erweiterungen zusammengenommen. Grundlage sind Beiträge der Website Data Centre Dynamics sowie offizielle Meldungen von Hyperscalern, aus der lokalen Presse und von Newsportalen.
Die im genannten Zeitraum angekündigte Gesamtleistung beläuft sich auf 83 GW. Das entspricht in etwa dem kompletten Spitzenbedarf in Deutschland, der bei etwa 75 bi 80 Gigawatt liegt. Die erfasste Grundstücks- und Campusfläche summiert sich auf rund 117 Quadratkilometer – eine Fläche etwa so groß wie das Stadtgebiet von Ulm.
Von den betrachteten Projekten wurden zwei Drittel (67 Prozent) angekündigt. Bereits im Bau oder in der Genehmigungsphase befinden sich 19 Prozent. Sieben Prozent wurden bereits in Betrieb genommen. Bei sechs Prozent handelt es sich um die Erweiterung bestehender Anlagen. Lediglich in einem Fall wurde ein beschriebenes Projekt abgelehnt.

Abbildung: Aktuelle RZ-Projekte auf Basis der Ankündigungen 23. Juni bis 22. Juli 2026
Bei der Leistung dominieren zwei Einzelmeldungen das Bild stark: Südkorea hat einen nationalen Masterplan angekündigt, bis 2035 insgesamt 18,4 GW an Rechenzentrumskapazität zu errichten, angeführt von den Konzernen SK, GS und Naver mit einer geplanten Investition von umgerechnet 919 Milliarden US-Dollar. Der globale Rechenzentrumsbetreiber EdgeConneX alleine plant die Entwicklung von über 10 GW zusätzlicher Kapazität. Rechnet man diese beiden Ausreißer heraus, ergibt sich für die verbleibenden 245 Projekte immer noch eine angekündigte Gesamtleistung von rund 54 GW.
Bei der Fläche der geplanten Projekte ist zu berücksichtigen, dass die Angaben überwiegend Campusflächen beschreiben, nicht bebaute Nutzfläche. Insbesondere große amerikanische Projekte reservieren mehrere hundert Hektar, um dort über viele Jahre mehrere Gebäude zu errichten.
Der Trend ist eindeutig: Die Nachfrage nach Rechenkapazität, getrieben durch KI-Training, Inferenz und Cloud-Dienste, übersetzt sich in ein Bautempo, das die Branche selbst noch vor drei Jahren für unrealistisch gehalten hätte.
Im Länder-Ranking liegen die USA klar auf dem ersten Platz, gefolgt von Südkorea und Spanien.
China taucht in dieser Liste nicht auf, obwohl es mit den USA weltweit führend im Ausbau der RZ-Kapazitäten ist. Der Grund dafür ist, dass offizielle Angaben zu solchen Projekten aus China selten verfügbar sind und demzufolge nicht darüber berichtet wird.
Rechnet man China zu den bestehenden Zahlen hinzu, fällt das weltweite Wachstum noch deutlich stärker aus.
| Rang | Land | Projekte | Geplante Leistung | Erfasste Fläche |
| 1 | USA | 113 | ~33.947 MW | ~93,9 km² (Campus-Fläche) |
| 2 | Südkorea* | 2 | ~18.400 MW | k. A. |
| 3 | Spanien | 17 | ~3.913 MW | ~52.000 m² |
| 4 | Australien | 9 | ~3.422 MW | ~3,1 km² |
| 5 | Indien | 12 | ~1.582 MW | ~3,0 km² |
| 6 | Großbritannien | 11 | ~1.254 MW | ~0,6 km² |
| 7 | Kanada | 7 | ~1.447 MW | ~2,4 km² |
| 8 | Malaysia | 5 | ~1.115 MW | ~10,8 km² |
| 9 | Deutschland | 8 | ~937 MW | ~56.000 m² |
| 10 | Finnland | 2 | ~610 MW | ~1,7 km² |
| 11 | Trinidad und Tobago | 2 | ~450 MW | k. A. |
| 12 | Brasilien | 5 | ~474 MW | ~501.000 m² |
| 13 | Indonesien | 2 | ~360 MW | k. A. |
| 14 | Frankreich | 4 | ~351 MW | ~25.000 m² |
| 15 | Thailand | 4 | ~321 MW | k. A. |
| 16 | Jordanien | 1 | ~400 MW | ~991.000 m² |
| 17 | Japan | 4 | ~280 MW | k. A. |
| 18 | Norwegen | 2 | ~175 MW | ~1,1 km² |
| 19 | Großbritannien – Offshore | 1 | ~200 MW | k. A. |
| 20 | Niederlande | 2 | ~158 MW | k. A. |
| 21 | Neuseeland | 1 | ~132 MW | k. A. |
| 22 | Israel | 2 | ~68 MW | k. A. |
| 23 | Irak | 2 | ~24 MW | k. A. |
| 24 | Katar | 2 | ~8 MW | k. A. |
| 25 | Russland | 2 | ~33 MW | k. A. |
Tabelle: Ausbau der RZ-Kapazitäten im Ländervergleich. *Südkoreas 18,4 GW sind ein nationaler Masterplan bis 2035, kein einzelnes Bauprojekt. **China ist aufgrund fehlender offizieller Daten nicht vertreten.
Nordamerika: Die USA als unangefochtenes Zentrum
Mit 113 angekündigten Projekten in 30 Tagen sind die USA das mit Abstand aktivste Land weltweit, wenn es um den Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur geht. Das entspricht mehr als drei neuen Projekten pro Tag.
Texas ist dabei das meistgenannte Bundesland: Google, Crusoe, QTS, Nexus Data Centers, Hut 8, HyperDataGrid, Mara, CleanSpark und dutzende weitere Unternehmen haben in diesem Zeitraum Projekte allein in Texas gemeldet. Virginia folgt als zweiter Schwerpunkt, vor allem im Korridor Northern Virginia bis Richmond – traditionell das dichteste Rechenzentrumscluster der Welt.
Die angekündigte US-Leistung von rund 34 GW entspricht mehr als der Hälfte aller weltweit gemeldeten Kapazitäten außerhalb der erwähnten Megaprojekte.
Kanada meldet 7 Projekte, darunter Metas geplantes 1-GW-Rechenzentrum in Sturgeon County, Alberta; das erste des Konzerns in Kanada überhaupt.
Europa: Spanien überrascht, Deutschland bleibt moderat
In Europa ist das aktivste Land nicht Deutschland, nicht Großbritannien, sondern Spanien: mit 17 gemeldeten Projekten in 30 Tagen. Der spanische Markt zieht Investoren aus aller Welt an. Die Vorhaben reichen von der EdgeMode/Pure Data Centres Group-Transaktion mit geplanten 1,8 GW in mehreren Regionen (Córdoba, Palma del Río, Toledo, Cáceres) über Ferrovials 60-MW-Campus in Madrid bis hin zu mehreren mittelgroßen Projekten in Aragon, Valencia und Granada. Spanien profitiert dabei von günstiger Anbindung an Unterseekabel, stabiler Politik und im europäischen Vergleich noch relativ günstigen Energiepreisen für Solar- und Windstrom.
Großbritannien meldet 11 Projekte, darunter CyrusOnes neues Rechenzentrum in West London (Southall, auf dem Gelände einer ehemaligen Getreidefabrik), Clearstones geplanter 300-MW-Campus in Kent und Apaturas umstrittenes 300-MW-Projekt in Schottland.
Deutschland kommt auf 8 Projekte; eine überschaubare Zahl angesichts der Größe des Landes. Equinix schließt den Rohbau seiner Münchner Erweiterung MU4.3 ab (13.608 m²), Kauri CAB Digital Infrastructure baut in Frankfurt (Hochheim) ein 40-MW-Rechenzentrum auf 55.000 m², und die Wirth Group kündigt ein 707-MW-Hyperscale-Projekt in Philippsburg an. Microsoft hat eine Kaufvereinbarung für ein Grundstück in Grevenbroich unterzeichnet. Der Landkreis Emsland startet ein kommunales Rechenzentrum in Meppen.
In Finnland sind zwei Großprojekte aktiv: Pure DC baut für Microsofts als Hauptmieter einen 550-MW-Campus in Seinäjoki (rund 1,5 km²), Aurinkokarhu plant 60 MW in Närpiö mit Abwärmenutzung. Norwegen meldet u.a. Bulk Infrastructure mit 150 MW in Arendal und Microsoft mit 25 MW in Sandnes.
Die nachfolgende Tabelle zeigt den geplanten RZ-Ausbau in den europäischen Ländern auf Basis der Ankündigungen in den letzten 30 Tagen:
| Land | Anzahl Projekte | Geplante Leistung | Erfasste Fläche |
| Spanien | 17 | ~3.910 MW | ~52.000 m² (Gebäude) |
| Großbritannien / UK | 11 | ~1.254 MW | ~586.873 m² (Campus) |
| Deutschland | 8 | ~937 MW | ~56.434 m² (Campus) |
| Frankreich | 4 | ~351 MW | ~25.775 m² |
| Italien | 4 | ~766 MW | ~161.278 m² (Campus) |
| Finnland | 2 | ~610 MW | ~1.677.338 m² (Campus) |
| Schweden | 3 | ~94 MW | ~3.025 m² |
| Norwegen | 2 | ~175 MW | ~1.078.999 m² (Campus) |
| Niederlande | 2 | ~158 MW | k. A. |
| Polen | 1 | ~790 MW | k. A. |
| Europa gesamt | ~54 | ~9.050 MW | > 3,6 km² |
Tabelle: Rechenzentrumsprojekte und geplante Kapazitäten in Europa (Meldezeitraum 23.06. – 22.07.2026). Flächenangaben umfassen sowohl Gebäude- als auch Campusgrundstücke.
Asien-Pazifik: Indien und Australien im Aufholmodus
Indien ist mit 12 Projekten das aktivste Land im Asien-Pazifik-Raum. AWS legt in Telangana (Hyderabad) den Grundstein für einen Campus auf rund 1.214 ha, Meta plant in Alberta und STT GDC eröffnet in Jaipur ein 6-MW-Rechenzentrum. Webyne, HCLTech und Tata – im Auftrag von OpenAI – planen zusammen mehrere hundert Megawatt neuer Kapazität. Die angekündigte Gesamtleistung für Indien beläuft sich auf rund 1.582 MW.
Australien meldet 9 Projekte, die zusammen auf über 3.400 MW kommen, darunter NextDCs 612-MW-Stargate-Campus in Sydney und Energy Norths 1-GW-Ankündigung in Australiens Northern Territory.
Malaysia verzeichnet 5 Projekte. AirTrunk erweitert in Johor (Malaysia, direkt an der australischen Grenze gelegen) mit IFC-Finanzierung. Hinzu kommt das Global-Telecommunications-Group-Projekt in Selangor (150.000 m², 210 MW). Das Land hat sich als führender Standort für Rechenzentren in Südostasien etabliert, nicht zuletzt wegen der günstigen Energiepreise und des starken politischen Willens zur Digitalindustrie.
Japan meldet 4 Projekte, darunter die gemeinsame Nvidia/Noetra „AI Factory“ mit 140 MW.
Südkorea fällt durch seinen Megaplan auf: SK, GS und Naver planen gemeinsam 18,4 GW bis 2035 – verteilt auf acht Regionen von Donghae bis Gwangwon.
Mittlerer Osten und Afrika: Wachstum in neuen Märkten
Saudi-Arabien (ein Projekt, Letsia in Riad), VAE (eine Eröffnung in Ras Al Khaimah), Katar (Meeza-Erweiterung, 4 MW), Jordanien (Mindstream Energy, 400 MW) und Israel (Crusoe, 67,6 MW; MedOne Bau unterirdischer Anlagen) zeigen, dass der Nahe Osten auch in der Spitzenphase des KI-Ausbaus aktiv ist.
Afrika meldet Eröffnungen in Gabun (ST Digital) und Tansania (Raxio, 6 MW in Dar es Salaam) sowie eine Ankündigung von Hassan Allam in Ägypten. Diese Projekte sind gemessen an der Kapazität klein, aber wichtig: Sie markieren die schrittweise Ausdehnung des globalen Rechenzentrumsnetzes in Märkte, die bisher fast vollständig unterversorgt waren.
Lateinamerika und weitere Märkte
Brasilien meldet 5 Projekte, darunter Ada Infrastructures GRU10-Grundsteinlegung in São Paulo (300 MW), das Elea/AXIA-Projekt im Amazonas (bis 100 MW) und RiverHooks Hyperscale-Campus in Pindamonhangaba (500.000 m², 150 MW). Mexiko eröffnet in Querétaro Nvidia Blackwells erste Neocloud in Latein-Amerika.
Die aktivsten Unternehmen
EdgeConneX belegt mit rund 10 GW den ersten Platz bei den angekündigten und geplanten Rechenzentren. Es folgt Google mit fünf Projekten im Umfang von 5,4 GW.
| Rang | Unternehmen | Anzahl Projekte | Geplante Leistung |
| 1 | EdgeConneX | 1 | 10.000 MW |
| 2 | 5 | 5.400 MW | |
| 3 | Mara / Starwood Digital | 2 | 4.000 MW |
| 4 | DC Blox / Amentum | 4+3 | ~3.100 MW |
| 5 | Pure Data Centres Group | 2 | ~3.000 MW |
| 6 | Williams (Blackstone) | 1 | 2.600 MW |
| 7 | Microsoft | 5 | ~2.097 MW |
| 8 | Tract | 2 | 1.800 MW |
| 9 | EdgeMode | 2 | 1.800 MW |
| 10 | Crusoe | 4 | ~1.668 MW |
| 11 | Edged | 3 | ~1.650 MW |
| 12 | Spark AI Foundry | 1 | 1.500 MW |
| 13 | QTS | 3 | 1.220 MW |
| 14 | CleanSpark | 2 | ~1.060 MW |
| 15 | AirTrunk | 2 | ~840 MW |
Tabelle: Ausbau von Rechenzentren nach Unternehmen
Auswirkungen des RZ-Ausbaus
Die schiere Zahl neuer Projekte und die geografische Streuung beschleunigen ein Strukturproblem, das die Hardwarewartungsbranche bereits kennt: Qualifiziertes Servicepersonal ist ein wichtiger Engpass.
Besonders in Märkten, die bis vor kurzem als Randzonen galten, wie Spanien, Malaysia, Indonesien, Jordanien, Australiens Northern Territory, entstehen innerhalb kurzer Zeit Anlagen, für die lokale Wartungskapazitäten kaum vorhanden sind. Gleichzeitig erhöht der Trend zu Gigawatt-Scale-Campussen die Anforderungen an Wartungsverträge: Wer 1 GW auf einem einzigen Campus betreibt, braucht ein ganzes Ökosystem an Servicemitarbeitern.
Die 30-Tage-Auswertung zeigt außerdem, dass die Energie-Infrastruktur zum bestimmenden Faktor für Standortentscheidungen geworden ist. Projekte in Texas, Finnland, Spanien und Malaysia wurden explizit mit Zugang zu erneuerbaren Energien oder eigener Stromerzeugung begründet. Für Wartungsdienstleister bedeutet das: Neben klassischer IT-Hardware-Kompetenz wird Expertise in Stromversorgungssystemen (USV, Transformatoren, Notstromaggregate) und Kühlinfrastruktur zu einem Kernkompetenzfeld.
Welche ökologischen Folgen der Ausbau hat, wird sich in den nächsten Jahren sicherlich deutlich zeigen. Der wachsende Bedarf an Energie und Wasser wird die verfügbaren Ressourcen an erneuerbaren Energien und bestehenden Wasservorräten deutlich übersteigen, mit entsprechend negativen Konsequenzen auf CO2-Emissionen, Grundwasser und letzten Endes auch auf die Preise für Energie.
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Methodik
Datenbasis: Publikationen zur Erweiterung der RZ-Infrastruktur, ausgewertet für den Zeitraum 23. Juni bis 22. Juli 2026. Projektzahl: 280 erfasste Meldungen, nach Deduplizierung (identisches Projekt, mehrfach gemeldet) 247 eindeutige Projekte. Leistungsangaben: Wenn Projekte Spannen angaben (z. B. „50–100 MW“), wurde der niedrigere Wert gewertet. Flächenangaben: Umrechnung in Quadratmeter nach Standardkoeffizienten (1 Acre = 4.046,86 m², 1 sq ft = 0,0929 m², 1 Hektar = 10.000 m²). Campusflächen (Grundstücke) und Gebäudeflächen werden in den Primärquellen nicht einheitlich unterschieden.
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