Auch in Deutschland gibt es ein starkes Wachstum bei den Rechenzentren: Um die 100 Anlagen stehen in Planung oder im Bau. Davon haben mehr als 40 davon die Bauphase bereits erreicht. Allein die 72 größten Vorhaben summieren sich auf rund 5.500 Megawatt geplante Anschlussleistung. Wie viele Rechenzentren letztendlich ans Netz gehen werden, entscheiden Stromanschlüsse, Genehmigungen und die Stimmung in den betroffenen Kommunen.
Deutsche RZ-Kapazitäten: von knapp 3 auf rund 5 Gigawatt
Bis 2030 rechnet der Bitkom mit einem Anstieg auf 5.000 MW IT-Anschlussleistung, ein Plus von rund 70 Prozent gegenüber 2024.
Den Zuwachs treibt vor allem KI. Training, Inferenz und High Performance Computing binden heute etwa 15 Prozent der Kapazität, 2030 dürften es rund 40 Prozent sein, also etwa 2.020 MW. Der Stromverbrauch zieht entsprechend an: 2015 lag er bei 12 TWh. Für 2030 könnte der Wert auf 30 bis 37 TWh ansteigen; das wären vier bis fünf Prozent des gesamten deutschen Stromverbrauchs.
| Kennwert | Stand 2024/2025 | Prognose 2030 |
| IT-Anschlussleistung | 2.730 MW (2024), 2.980 MW (2025) | 4.850 bis 5.000 MW (rund +70 %) |
| Anteil KI und HPC | ca. 15 % der Kapazität | ca. 40 %, entspricht rund 2.020 MW |
| Stromverbrauch | 21,3 TWh (2025) | 30 bis 37 TWh |
| Edge-Kapazität | ca. 240 MW (2025) | wachsend, bleibt Nischensegment |
| Investitionen pro Jahr | ca. 15 Mrd. Euro (2025) | Projektpipeline: 5.500 MW angemeldet |
Tabelle: Stand und Entwicklung bei Rechenzentren in Deutschland
Geplante und im Bau befindliche Großprojekte
Die Pipeline der neuen Projekte wird von den Hyperscalern dominiert. Hier sind die folgenden acht Vorhaben besonders hervorzuheben:
| Betreiber | Standort | Kapazität / Invest | Status und Ausrichtung |
| AWS | Baruth/Mark und Massen-Finsterwalde (Brandenburg) | 7,8 Mrd. Euro bis 2040 | Erste Zonen in Betrieb, stufenweiser Ausbau. Ziel ist die European Sovereign Cloud |
| Microsoft | Bedburg und Bergheim (NRW) | ca. 3,2 Mrd. Euro | Im Bau und in Planung. KI-Kapazitäten im Rheinischen Revier, getragen vom Strukturwandel |
| Schwarz Digits (STACKIT) | Mecklenburg-Vorpommern | 200 MW / 11Mrd. Euro | In Planung. Europäische Cloud- und Edge-Infrastruktur unter deutscher Kontrolle |
| CyrusOne (FRA5) | Hanau (Hessen) | 54 MW | Im Bau, Rohbau steht. Betrieb mit 100 Prozent Grünstrom und geschlossenen Kühlkreisläufen |
| CyrusOne (FRA6, FRA7) | Frankfurt-Sossenheim (Hessen) | 45 MW | Im Bau bzw. in Planung. Kooperation mit E.ON über 61 MW lokale Erzeugung zur Netzstabilisierung |
| Stack Infrastructure | Liederbach (Hessen) | 96 MW | In Planung. Hyperscale-Campus auf einem früheren Industriegelände |
| Digital Realty (FRA20) | Frankfurt-Fechenheim (Hessen) | 16 MW | Im Bau. Teil des Digital Park Fechenheim, der langfristig auf 200 MW wachsen soll |
| Hanau und Dietzenbach (Hessen) | ca. 1 Mrd. Euro | Im Bau, teilweise in Betrieb. Erweiterung der Frankfurter Cloud-Region für Geschäftskunden |
Tabelle: Große RZ-Projekte in Deutschland
Nicht immer werden geplante oder angekündigte Vorhaben umgesetzt: Stack Infrastructure beispielsweise hat ein Projekt in Babenhausen über 3 Milliarden Euro nach kommunalem Widerstand und zähen Genehmigungsverfahren fallen lassen. Solche Abbrüche erklären, warum die Prognose für 2030 deutlich unter den angekündigten Zahlen liegt.
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Wo findet das größte Wachstum der Rechenzentren statt?
Frankfurt bleibt der größte Standort Kontinentaleuropas und Teil der FLAP-D-Gruppe (Frankfurt, London, Amsterdam, Dublin) mit rund 1.000 MW betriebener IT-Leistung und einer Leerstandsquote um 3,1 Prozent. Neue Projekte über mehr als 2.300 MW sind angemeldet. Dabei wird das Stromnetz immer mehr zum Engpass: Bis zu einem Anschluss im Rhein-Main-Gebiet kann es sieben bis 13 Jahre dauern. Wer so lange nicht warten will, weicht aus. Berlin und Brandenburg fangen einen Großteil dieser Verlagerung auf, vor allem für Workloads, bei denen es weniger auf eine möglichst kurze Latenz ankommt.
Die dritte Welle läuft dorthin, wo Windstrom und freie Netzkapazität zusammenkommen. Im Rheinland hat der Kohleausstieg Anschlusskapazität freigemacht, in Mecklenburg-Vorpommern liefert Wind an Land und auf See derzeit mehr Strom, als abgenommen wird.
| Region | Stand heute | Wachstumstreiber | Bremsfaktor |
| Frankfurt / Rhein-Main | Führender Hub Europas, ca. 1.000 MW, Leerstand 3,1 % | Data Gravity durch DE-CIX, Colocation, Cloud-Knoten; über 2.300 MW geplant | Netzanschlüsse mit 7 bis 13 Jahren Vorlauf, sehr hohe Grundstückspreise |
| Berlin / Brandenburg | Zweitgrößter Hub in Deutschland, Schwerpunkt Datensouveränität | Ausweichstandort der Hyperscaler, souveräne Cloud, AWS-Milliardenprojekt | Wachsender lokaler Widerstand gegen Großanlagen |
| Rheinland (NRW) | Aufsteiger, neue Cloud-Regionen | Freie Netzkapazität aus dem Braunkohleausstieg, Microsoft-Investitionen | Konkurrenz um Flächen im Strukturwandelgebiet |
| Mecklenburg-Vorpommern | Bisher Nischenmarkt | Wind onshore und offshore, Neuplanungen in bisher für Deutschland unbekannter Größenordnung | Dünne Anbindung an Glasfaser- und Fernwärmenetze, wenig Fachkräfte vor Ort |
Tabelle: Die größten Rechenzentrums-Hubs in Deutschland
Akzeptanz vor Ort
Flächenverbrauch, Strom- und Wasserbedarf und wenige neue Arbeitsplätze vor Ort: Diese Rechnung geht in vielen Gemeinden nicht auf. Wenn Kommunen dann Auflagen zu Lärmschutz, Kühlkonzept oder Finanzgarantien stellen, die Investoren als unkalkulierbar bewerten, sterben Projekte in der Planungsphase. Schon länger regt sich Widerstand: In den USA gibt es inzwischen eine parteiübergreifende Koalition gegen den weiteren Ausbau von Rechenzentren. Im Februar 2026 hatte die Stadt Groß-Gerau den Bau eines Rechenzentrums im Umfang von 2,5 Milliarden Euro abgelehnt.
Wenn es gelingt, bereits versiegelte Flächen wie zum Beispiel Industriebrachen zu nutzen, die Anlagen mit emissionsfreien Energiequellen zu betreiben und dies mit einem Angebot an zusätzlichen Arbeitsplätzen zu verbinden, kann das die Akzeptanz neuer Rechenzentren lokal deutlich erhöhen.
Einordnung
Frankfurt bleibt der Ankerpunkt für Rechenzentren in Deutschland, wenn es um Latenz und Netzwerkdichte geht, während sich das reine Leistungswachstum auch nach Brandenburg, ins Rheinland und an die Ostseeküste erstrecken wird.
Möglich ist außerdem, dass sich weitere Standorte entwickeln werden, von denen bisher kaum die Rede ist. Chancen haben Regionen, in denen es eine gute Netzanbindung und ausreichend verfügbare Flächen gibt. Ein weiterer wichtiger Faktor sind ausgebildete Fachkräfte. Das könnte Regionen mit technischen Universitäten zugutekommen: Beispiele sind Karlsruhe, Tübingen und Aachen.
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