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  • In der Hängematte: Erhöht die Verwendung die Gefahr einer Demenz?

Erhöht die Verwendung von KI die Gefahr von Demenz?

Von |2026-03-08T11:18:09+00:008.3.2026|

Die KI nimmt uns immer mehr Aufgaben ab. Leiden darunter unsere kognitiven Fähigkeiten, und erhöht sich damit sogar die Gefahr einer Demenz?

Künstliche Intelligenz ist endgültig in unserem Alltag angekommen. Laut einer Erhebung des Branchenverbands Bitkom nutzten im Jahr 2025 67 Prozent der Deutschen zumindest hin und wieder Anwendungen wie ChatGPT, Microsoft Copilot oder Google Gemini, um Texte zu schreiben, Bilder zu generieren oder Programmiercode zu erstellen. Doch während uns Algorithmen das Denken und Arbeiten erleichtern, wächst die Sorge, dass die Auslagerung unserer geistigen Arbeit an die KI dazu führt, dass unser Gehirn verkümmert. Erhöht die Nutzung von ChatGPT und Co. am Ende sogar unser Risiko für Demenz?

Der aktuelle Stand der Wissenschaft zeigt: Künstliche Intelligenz ist für das menschliche Gehirn ein zweischneidiges Schwert. Es kommt nicht darauf an, ob wir sie nutzen, sondern wie wir es tun.

„Digitale Demenz" und kognitive Atrophie

Die Angst vor dem geistigen Verfall durch Technologie ist nicht neu. Bereits 2012 prägte der Hirnforscher Prof. Dr. Manfred Spitzer mit seinem gleichnamigen Buch den Begriff der Digitalen Demenz.  Seine These: Wenn wir uns nichts mehr merken müssen und alles an digitale Geräte auslagern, baut unser Gehirn ab. In der Neurowissenschaft gilt schließlich das Gesetz der Neuroplastizität: Use it or lose it.

Während Spitzers Thesen in der akademischen Welt teils scharfe Kritik erfuhren, weil sie von Kritikern oft als zu alarmistisch oder methodisch unzureichend differenziert bewertet wurden, hat die schnelle Entwicklung der generativen KI der Grundidee eine völlig neue, Relevanz verliehen.

Mit der generativen KI hat diese Warnung eine neue Dimension erreicht. Wir lagern nicht mehr nur das reine Faktenwissen aus, sondern auch komplexe Denk- und Analyseprozesse. Eine MIT-Studie mit dem Titel "Your Brain on ChatGPT: Accumulation of Cognitive Debt when Using an AI Assistant for Essay Writing Task" liefert dazu entsprechende Daten. Die Studie teilte 54 Teilnehmer im Alter von 18 bis 39 Jahren in drei unterschiedliche Gruppen ein, die Essays unter spezifischen Bedingungen verfassen sollten: eine Gruppe arbeitete völlig ohne Hilfsmittel („Brain-only"), die zweite Gruppe durfte eine herkömmliche Suchmaschine nutzen, und die dritte Gruppe verwendete ChatGPT.

Die Ergebnisse deuten auf grundlegende Veränderungen in der Informationsverarbeitung hin:

  1. Massiv reduzierte neuronale Konnektivität: Die EEG-Aufzeichnungen zeigten eindeutig, dass die globale Gehirnkonnektivität bei den KI-Nutzern im Vergleich zur „Brain-only"-Gruppe fast um die Hälfte reduziert war. Besonders betroffen waren die Frequenzbänder der Alpha- und Theta-Wellen. Alpha-Wellen sind stark mit der Aufmerksamkeitssteuerung und der Unterdrückung irrelevanter Informationen verbunden, während Theta-Wellen bedeutsam für die Gedächtniskonsolidierung und kognitive Kontrolle sind. Die „Brain-only"-Teilnehmer zeigten die stärksten und am weitesten im Gehirn verteilten neuronalen Netzwerke. Das spricht für eine intensive, ganzheitliche Einbindung des Gehirns. Suchmaschinen-Nutzer wiesen eine moderate Vernetzung auf, weil sie Informationen suchen, bewerten und zusammenfügen mussten. Die KI-Nutzer hingegen zeigten die mit Abstand schwächste neuronale Konnektivität.  Die kognitive Gehirnaktivität skalierte demnach direkt negativ mit der Nutzung des externen Werkzeugs.
  2. Verringerung der relevanten kognitiven Last: Ein zentrales Verkaufsargument für KI ist die Steigerung der Produktivität. Tatsächlich verfassten die von ChatGPT unterstützten Teilnehmer ihre Texte im Durchschnitt 60 Prozent schneller als die Kontrollgruppen. Dieser Effizienzgewinn kam jedoch zu einem hohen Preis: Die „relevante kognitive Last" – also jene essenzielle geistige Anstrengung, die neurobiologisch notwendig ist, um reine Information durch tiefe Verarbeitung in echtes, abrufbares Wissen zu transformieren – fiel bei den KI-Nutzern um 32 Prozent ab. Das Gehirn wurde in einen Zustand der reinen Überwachung versetzt, anstatt aktiv zu konstruieren.
  3. Dramatischer Gedächtnisverlust: Die fehlende tiefgehende Auseinandersetzung mit dem Material führte zu massiven Einbußen beim prozeduralen und deklarativen Gedächtnis der Probanden. 83 Prozent der KI-Nutzer waren kurz nach der Aufgabe nicht in der Lage, sich an eine Passage zu erinnern, die sie gerade erst für ihren eigenen Essay verfasst oder einkopiert hatten. Diese Ergebnisse stützen die These der digitalen Amnesie: Was das Gehirn nicht selbst mühsam formuliert hat, speichert es nicht ab.
  4. Verlust des Eigentumsgefühls und zunehmende Trägheit: Die LLM-Nutzer berichteten in Befragungen über das weitaus geringste Gefühl von Autorschaft (Ownership) für ihre Texte und hatten große Schwierigkeiten, aus ihren eigenen, angeblich selbst geschriebenen Arbeiten korrekt zu zitieren. Erschwerend kam hinzu, dass sich dieser Zustand sogar verschlechterte. Im Verlauf der viermonatigen Studie wurden die KI-Nutzer mit jedem weiteren Essay zunehmend kognitiv träger und verließen sich gegen Ende des Untersuchungszeitraums oft nur noch auf einfache Copy-and-Paste-Vorgänge, ohne den Text nennenswert zu redigieren.

Um die Dauer dieser Effekte zu prüfen, führten die Forscher eine vierte Sitzung durch, in der die Bedingungen getauscht wurden. KI-Nutzer mussten plötzlich ohne Hilfsmittel schreiben („LLM-to-Brain"). Diese Teilnehmer zeigten dabei eine deutlich reduzierte Alpha- und Beta-Konnektivität, Anzeichen für eine akute Unterforderung des Gehirns und erhebliche Startschwierigkeiten bei der Aktivierung eigener kognitiver Ressourcen. Teilnehmer, die zuvor ohne Hilfsmittel gearbeitet hatten und nun KI nutzen durften, wiesen dagegen weiterhin eine höhere Erinnerungsleistung und eine stärkere Aktivierung bestimmter Hirnareale auf.

Die MIT-Forscher folgern aus diesen Daten, dass die kontinuierliche Auslagerung geistiger Anstrengung an eine KI zu einer kumulativen „kognitiven Schuld" führt. Je weiter die Automatisierung fortschreitet und je öfter komplexe Aufgaben an LLMs ausgelagert werden, desto weniger wird der präfrontale Kortex beansprucht.  das können Hinweise auf langanhaltende plastische Effekte sein, die weit über die unmittelbare Erledigung der Aufgabe hinausgehen und das Gehirn auf Dauer an eine niedrige Arbeitsfrequenz gewöhnen.

Kognitionspsychologen warnen in diesem Zusammenhang vor einem "Memory Paradox", also einem Erinnerungs-Paradoxon: Weil wir uns auf smarte Werkzeuge verlassen, scheuen wir die geistige Anstrengung. Doch genau diese Anstrengung, nämlich das mühsame Ringen um eine Lösung, das Machen und Korrigieren von Fehlern, baut jene robusten neuronalen Netzwerke auf, die wir für echtes kritisches Denken und Intuition brauchen. Wer diese Phase mit KI abkürzt, baut keine kognitive Reserve für das Alter auf.

Eine gewisse Ironie bekommt das blinde Vertrauen in KI, wenn man beobachtet, dass auch LLMs von einer Art Demenz betroffen sein können: Forscher ließen KI-Modelle wie GPT-4o oder Claude Sonnet 3.5 den MoCA-Test absolvieren, der in Kliniken zur Früherkennung von Demenz genutzt wird. Das Resultat: Fast alle Chatbots zeigten in Bereichen wie Aufmerksamkeit, Gedächtnis und exekutiven Funktionen derartige Lücken, dass man ihnen als Mensch eine „leichte kognitive Beeinträchtigung" attestieren würde. Wir lagern unser Denken also an Systeme aus, die selbst kognitiv unzuverlässig sind.

Wie Technologie das Gehirn sogar schützt

Müssen wir nun alle Computer abschalten, um geistig fit zu bleiben? Definitiv nicht. Denn blickt man auf breit angelegte epidemiologische Daten, zeigt sich ein gegenteiliges Bild.

In einer Studie der Baylor University und der Dell Medical School wurden Daten von über 400.000 Menschen ab 50 Jahren untersucht. Das verblüffende Ergebnis: Die aktive Nutzung von Computern, Smartphones und dem Internet erhöhte das Demenzrisiko nicht, sondern war mit einem um 58 Prozent geringeren Risiko für kognitive Beeinträchtigungen verbunden.

Wie lässt sich dieser Widerspruch erklären? Die Forscher führen das auf zwei zentrale Mechanismen zurück:

Technologische Reserve: Technologie ist anstrengend. Das Erlernen neuer Software, das Navigieren durch Updates und das Lösen von Computerproblemen fordert das ältere Gehirn massiv. Diese aktive Auseinandersetzung wirkt wie lebenslanges Gehirnjogging und baut Widerstandskraft auf.

Digitales Gerüst (Digital Scaffolding): Digitale Werkzeuge helfen älteren Menschen, ihren Alltag selbstständig zu meistern – von Kalender-Erinnerungen bis zu Videoanrufen mit der Familie.  Das reduziert chronischen Stress und schützt vor Demenz.

KI als aktives Gehirn-Jogging?

Künstliche Intelligenz und Algorithmen können sogar gezielt zur Demenzprävention eingesetzt werden, wenn sie nicht als Ersatz für das Denken, sondern als Trainingspartner fungieren.

Den besten Beweis liefert eine Studie der Johns-Hopkins-Universität. Hier absolvierten Senioren ein computergestütztes Training der visuellen Verarbeitungsgeschwindigkeit. Der Clou: Das Programm war adaptiv. Wie eine gute KI passte es den Schwierigkeitsgrad in Echtzeit an die Tagesform der Teilnehmer an und hielt das Gehirn stets an seiner absoluten Leistungsgrenze. Das Resultat war historisch: Selbst 20 Jahre nach diesem kurzen Training hatten diese Teilnehmer ein um 25 Prozent reduziertes Risiko, an Demenz zu erkranken, verglichen mit der untrainierten Kontrollgruppe.

Fazit: Auf das „Wie" kommt es an

Erhöht KI nun das Demenzrisiko? Die Wissenschaft sagt: Es liegt in unserer Hand. Es existiert schlichtweg keine neurobiologische Gesetzmäßigkeit, die besagt, dass Code, maschinelles Lernen und Algorithmen per se schädlich für das menschliche Gehirngewebe sind. Dabei darf nicht vergessen werden, dass die breite Nutzung von generativer KI erst seit wenigen Jahren stattfindet und es aus diesem Grund noch keine Langzeitstudien geben kann.

Die Forschungsliteratur zwingt uns stattdessen zu einer bewussten Trennung zwischen der aktiven kognitiven Herausforderung durch Technologie und der passiven kognitiven Auslagerung an die Technologie.

Wenn wir generative KI als intellektuelle Abkürzung nutzen, als eine bequeme Krücke, um uns das eigenständige Schreiben, Denken und Problemlösen zu ersparen, laufen wir Gefahr, dass unsere geistigen Fähigkeiten verkümmern. Die neuronalen Messungen zeigen klar, dass unser Gehirn auf passive Berieselung und ausgelagerte Mühe mit Abbau reagiert. Besonders bei jungen Menschen, deren Gehirne sich noch entwickeln, kann das negative Folgen für die Entwicklung des Gehirns haben.

Nutzen wir Technologie und KI jedoch als ständige Herausforderung, um uns weiterzubilden, als adaptives Trainingswerkzeug für unseren Geist und als Brücke, um sozial verbunden zu bleiben, wird sie zu einem unserer stärksten Schutzschilde gegen den kognitiven Verfall im Alter.

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Über den Autor:

Christian Kunz ist ein bekannter Experte für SEO, Suchmaschinen und die Optimierung für LLMs. Er war außerdem Koordinator für die IT eines Unternehmensbereichs in einem deutschen Internet-Konzern sowie IT-Projektmanager. LinkedIn-Profil von Christian: Christian Kunz
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