Es sollte eine der größten Investitionen in der Geschichte der Kreisstadt werden, doch am Ende überwogen die Bedenken: Der Gemeinderat von Groß-Gerau hat die Ansiedlung eines Hyperscale-Rechenzentrums des US-Investors Vantage Data Centers mehrheitlich abgelehnt. Nach einer intensiven Debatte votierten 18 Stadtverordnete gegen und 14 für das Projekt. Damit ist der geplante 2,5-Milliarden-Euro-Deal auf dem Gelände „Am Lausböhl" vorerst vom Tisch.
Das geplante Projekt
Der US-Konzern Vantage Data Centers plante auf einer rund 14 Hektar großen, bereits versiegelten Fläche im Gewerbegebiet Lausböhl (Stadtteil Dornheim/Dornberg) die Errichtung eines riesigen Rechenzentrum-Campus. Geplant waren fünf Gebäudekomplexe mit einer Höhe von bis zu 30 Metern. Mit einer Leistung von über 160 Megawatt hätte die Anlage zu den größten ihrer Art in der Rhein-Main-Region gehört und von der Nähe zum Internetknotenpunkt DE-Cix in Frankfurt profitiert.
Die Stimmen der Ablehnung: „Monstrosität" und finanzielle Zweifel
Eine breite Allianz aus SPD, Grünen, FDP, Freien Wählern und der Linken lehnte das Vorhaben ab. Die Argumente waren vielfältig und reichten von städtebaulichen Bedenken bis hin zu finanzieller Skepsis.
- Stadtbild und Klima: Kritiker bezeichneten die geplanten Gebäude als „Monstrosität", die das Stadtbild mit dem Wahrzeichen des Wasserturms dominiert hätte. Zudem lag das Gelände in einer wichtigen Frischluftschneise. Es gab Befürchtungen, dass die bis zu 30 Meter hohen Riegel den Luftstrom behindern und die lokale Hitzebelastung in der Stadt steigern würden.
- Zweifel am „Goldenen Kalb": Während Befürworter hohe Einnahmen versprachen, warnten Gegner davor, dass die versprochenen Gewerbesteuereinnahmen aufgrund hoher Abschreibungen des Investors für die Stadt kaum spürbar wären. Die SPD-Fraktionsvorsitzende Susanne Theisen-Canibol betonte: „Das Geschäftsmodell ist eines, bei dem andere eine sehr hohe Wertschöpfung erzielen, aber die Steuereinnahmen nicht in Groß-Gerau bleiben würden". Auch die Zahl der entstehenden Arbeitsplätze wurde im Verhältnis zum Flächenverbrauch als gering eingestuft.
- Sicherheit und Souveränität: Die Grünen wiesen zudem auf Sicherheitsrisiken hin. Ein Rechenzentrum dieser Größe stelle kritische Infrastruktur dar und könne Ziel von Terrorismus oder Cyberangriffen sein. Zudem wurde die Abhängigkeit von einem US-Konzern in Hinblick auf die digitale Souveränität kritisiert.
Bürgermeister Jörg Rüddenklau (SPD) zeigte sich nach der Abstimmung erleichtert und stolz darauf, dass sich das Parlament nicht durch Zeitdruck habe beeinflussen lassen.
Laut einem Beitrag der Grünen berichtete eine SPD-Rednerin auf der Gemeinderatsversammlung, sie sei im Vorfeld durch zahlreiche, "drängende" Anrufe des Unternehmens belästigt worden, was sie schließlich untersagt habe.
Die Befürworter: Warnung vor einer „fatalen Entscheidung"
Auf der anderen Seite standen die CDU und die KOMBI-FWG, die geschlossen für das Projekt stimmten. Für sie ist die Ablehnung eine verpasste historische Chance.
- Wirtschaftliche Hoffnungen: Die CDU argumentierte, dass der Stadt Millionen an Steuereinnahmen entgehen würden, die dringend für die Haushaltssanierung, Kitas und soziale Leistungen benötigt würden.
- Innovationsstandort: Fraktionsvorsitzender Thomas Hlubek (CDU) warnte vor einem Imageschaden für Groß-Gerau und bezeichnete das Nein als „fatale Entscheidung". Man hätte sich als Technologie- und Digitalstandort positionieren können.
- Angebotene Kompromisse: Befürworter verwiesen auf mögliche Begrünungskonzepte und die theoretische Nutzung der Abwärme für ein kommunales Wärmenetz, was vom Investor in Aussicht gestellt worden war. Gegner taten diese Vorschläge jedoch teils als „Märchen" ab oder verwiesen auf die technische und finanzielle Unwägbarkeit der Wärmenutzung.
Reaktion des Investors und Ausblick
Für Vantage Data Centers kam das Votum als Rückschlag. Unternehmenssprecher Luka Kim hatte zuvor betont, man sei gesprächsbereit bezüglich der Gebäudehöhe gewesen und verwies auf die lange Vorlaufzeit des Projekts. Das Unternehmen kündigte an, die Entscheidung zu akzeptieren, intern zu beraten und erst dann weitere Schritte öffentlich zu machen. Das Unternehmen hatte das Grundstück bereits erworben.
Mit dem Aus für das Rechenzentrum stellt sich nun erneut die Frage nach der Zukunft des 14 Hektar großen Areals. Während die Grünen und andere Fraktionen alternative Nutzungen wie Wohnungsbau oder gemischte Quartiere fordern, betont Bürgermeister Rüddenklau, dass man nun mit dem Grundstückseigentümer ins Gespräch kommen müsse, um die Fläche zum Wohle von Groß-Gerau zu entwickeln.
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